Darauf kann ich in meinem Alltag achten:
Hunger, ein Krebsgeschwür der Menschheit |
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Wir leben in einer Welt voller Überfluss. Jeden Tag produzieren weltweit mehr als drei Milliarden Bäuerinnen und Bauern Nahrungsmittel, die ausreichen würden, um die gesamte Weltbevölkerung zu ernähren. Gleichzeitig leidet über eine Milliarde Menschen an chronischer Mangel- und Unterernährung. Alle dreieinhalb Sekunden stirbt ein Mensch (die meisten von ihnen Kinder unter fünf Jahren) an den Folgen des Hungers, das sind 24‘000 Menschen pro Tag! Doch Hunger ist kein Schicksal! Er ist nicht nur die Folge von Krieg und Naturkatastrophen wie Dürren oder Überschwemmungen. Viel häufiger ist er die Folge von extremer Armut sowie vom politischen, wirtschaftlichen und ökologischen Fehlverhalten der Menschen und Regierungen: 1. Armut und Hunger wohnen auf dem LandEtwa drei Viertel der chronisch Hungernden leben in ländlichen Regionen und sind Selbstversorger, die sich nicht selbst ernähren können. Dies hat vielfältige Gründe:
2. Der Armut entronnen und nun wieder armEinmal der Armut und dem Hunger zu entrinnen, ist kein Garant für die Zukunft. Menschen, die knapp über der Armutsgrenze leben, sind sehr verwundbar. Fehlende Sicherheiten führen dazu, dass Menschen bei der nächsten Krise wieder in die Armut abgleiten. 3. Verändertes Konsumverhalten – mehr Fleisch auf dem TischDie Regenwälder (z.B. in Brasilien) werden fortlaufend abgeholzt, um die Nachfrage der Länder mit mittleren und höheren Einkommen nach Fleisch und Tierfutter zu befriedigen. Zurück bleiben riesige Soja- und Mais-Monokulturen, die wenige Grossgrundbesitzer reich machen, während die Landbevölkerung ums Überleben kämpft. 4. Gemüse und exotische Früchte zu allen JahreszeitenWir leisten uns den Luxus, jedes beliebige Gemüse und exotische Früchte zu jeder Jahreszeit zu essen. Der Anbau von Gemüse und Früchten braucht u.a. viel Wasser, das wiederum den Menschen vor Ort für den Anbau von Produkten für den Eigenbedarf fehlt. 5. Globalisierung im EinwegverfahrenDie reichen Industrieländer überschwemmen die Märkte im Süden mit subventionierten landwirtschaftlichen Produkten, was dazu führt, dass die einheimischen Bauern ihre Produkte nicht mehr zu angemessenen Preisen verkaufen können. Z.B. in Haiti: amerikanischer Reis hat dort den einheimischen Reis verdrängt. Fremde Konzerne haben den Markt für sich erschlossen. 6. „Land Grabbing“„Land Grabbing“ bezeichnet den Erwerb und die Pachtung von Land durch Regierungen oder private Unternehmen auf fremden Staatsgebieten. Gutes Ackerland gilt als zukunftsträchtige Investition. So nutzt z.B. Europa zusätzlich zur heimischen Ackerfläche derzeit rund 35 Millionen Hektar Land in den Ländern des Südens zur Herstellung von Nahrungsmitteln für sich und zunehmend zur Erzeugung von Agrotreibstoffen. 7. Die Sucht der VerschwendungFast ein Drittel aller Lebensmittel werfen wir weg. In den Ländern des Südens gehen zudem jedes Jahr hochwertige Nahrungsmittel wegen ungenügender Lagerung und fehlender Verarbeitungskapazität verloren und wir werfen etwa die gleiche Menge guter Lebensmittel in den Müll. 8. Spekulation mit Nahrungsmitteln – auch unsere Banken sind dabeiGrundnahrungsmittel sind kostbare Güter. Kapitalgesellschaften, welche mit Nah-rungsmitteln handeln, erzielen hohe Profite und auch Banken sehen den Nahrungsmit-telhandel als zukunftsträchtige Investition mit hohem Gewinnpotenzial. 9. Fehlende ErnährungssouveränitätNationale Regierungen sowie die verschiedenen Bevölkerungsgruppen sollen alle in der Lage sein, ihre Agrar- und Ernährungspolitik selber zu bestimmen. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der bäuerlichen Landwirtschaft, der Nahrungsproduktion für die Selbstversorgung sowie dem lokalen und regionalen Handel. Die Produkte von Bauernfamilien in den Ländern des Südens stehen aber in direkter Konkurrenz zu hochsubventionierten Agrarprodukten aus Industrieländern. Dies zwingt sie dazu, ihre Erzeugnisse zu Niedrigpreisen zu exportieren. Landflucht, Armut und Hunger sind häufig die Folgen fehlender Ernährungssouveränität. |


